Ein Jahr später an der Sanriku-Küste, 2015


Der Wiederaufbau an der Sanriku-Küste, wo der verheerende Tsunami vom 11. März 2011 grosses Leid mit sich brachte, ist immer wieder im Fokus der Medien. Neben einseitig trivialen Berichten gibt es auch informative und ausführliche Mitteilungen zum Thema Wiederaufbau an der Sanriku-Küste.  
Selbstverständlich liegt es nicht in meiner Kompetenz, Medienberichte zu beurteilen. Gerne zeige und erzähle ich aber, was ich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe (Thomas Köhler).

 

5. Nov. 2015
Nach Ankunft in der Stadt Morioka wurden wir (Markus Fischer und ich) herzlich von Prof. Sohei Gomi empfangen (das Treffen wurde durch Yoshi Huggler arrangiert).
Prof. Sohei Gomi doziert an der Universität Iwate, in der Stadt Morioka. Er hat mit seinen Studenten das Handbuch „Takatabi“ (takata trip) veröffentlicht.
Dieses Handbuch dient für Reisende und Einheimische, die mehr über gegenwärtige Produkte, Läden, Restaurants etc. in Rikuzentakata erfahren möchten.
Die Stadt Rikuzentakata wurde am 11. März 2011 vom verheerenden Tsunami dem Erdboden gleich gemacht und gehörte zu einem der am stärksten betroffen Gebiete.
Herr Gomi erzählte uns viel über seine Projekte in Rikuzentakata, die Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen vor Ort und seinen Einschätzungen und Ansichten zum Wiederaufbau, die sich durchaus positiv anhörten.


6. Nov. 2015
Am nächsten Tag fuhren wir nach Fudai, wo der Fudai-Wehr (Fudai-suimon) steht, der dem Tsunami vom 11. März 2011 standhalten konnte und den 3000 Menschen aus Fudai das Leben rettete. Wir trafen Fischer Fujijima, den ich letztes Jahr bei meiner Fahrradreise entlang der Sanriku-Küste kennenlernte. Es waren bewegende Momente!


7. Nov. 2015
Die Fahrt von Fudai nach Ofunato war geprägt durch die immer wiederkehrenden Baustellen. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich so einiges verändert. Die Fortschritte sind beachtlich! In Ofunato angekommen wurden wir von meinen Freunden, die sogar aus Tokyo angereist kamen, herzlich empfangen. Wir fuhren zum Monument "Love Letter For Tomorrow" (明日へのラフレター), das am Wohnort von Herr Shida gebaut wird.
Nach der Geschenkübergabe (einem selbst gemalten Bild) vom Eishockey CH Nationalspieler Eric Blum, haben wir dann sogar noch selber Hand angelegt und Mosaiksteine am Monument befestigt.
Am Abend genossen wir Sushi beim Sushi-Koch Sasaki. Herr Sasaki ist Bürger von Rikuzentakata, sein Restaurant wurde vom Tsunami vollständig zerstört. Zur Zeit ist er in Ofunato in einem temporären Restaurant tätig und freut sich über jeden Kunden.

8. Nov. 2015
Nach dem Frühstück im Capital Hotel in Rikuzentakata fuhren wir (wie ich letztes Jahr) an jenen Ort, wo die einzige Kiefer von rund 70.000 Kiefern den Tsunami überstanden hat (kiseki no matsu, die Wunderkiefer). Ein Ort der Andacht.
Danach ging die Reise weiter bis nach Onagawa, wo wir das eindrückliche Bahnhofgebäude (mit Onsen-Bad) vom japanischen Stararchitekten Shigeru Ban besichtigten. In einem Curry-Restaurant ein paar Schritte vom Bhf. Onagawa entfernt, erfuhren wir von der Besitzerin, wie sich die Gegend seit dem Tsunami verändert hat. Sie war keineswegs negativ eingestellt. "Auch Neuerungen haben Vorteile, die Häuser werden nur noch auf höherem Grund gebaut und das braucht nun mal seine Zeit" erklärte sie uns.
Mit vielen Eindrücken fuhren wir dann ins Zentrum von Ishinomaki zu einem Besuch im Manga-Museum, das dem Tsunami standgehalten hat.
Im Dunkeln erreichten wir schliesslich Sendai, wo unsere Sanriku-Reise endete (Thomas Köhler).